Aktuelles
Weitere aktuelle Informationen zu den Einrichtungen finden Sie auch unter Presse.
Muskeln machen munter!
Muskeltraining zur Sturzprophylaxe in der Tagespflege
Wer rastet, der rostet! Ein Sprichwort,
dessen Wahrheitsgehalt sich auch im Alter
bemerkbar macht.
Wer sich und seinen Körper im Alter
nicht fordert, wer sich aufgrund von Erkrankungen
wie Arthrose und Rheuma
wenig bewegt, der verliert zunehmend an
Muskulatur und Beweglichkeit. Die Statik
des Körpers verändert sich, man geht gekrümmt,
nimmt Schonhaltungen ein, Gelenke
versteifen sich. Nicht nur Schmerzen
sind dann oft die Folge, es erhöht
sich auch das Risiko zu stürzen. Mehr
als 100.000 Menschen ziehen sich pro
Jahr durch Sturz eine Hüftfraktur zu. Ein
Großteil davon ist älter als 65 Jahre.
In der Tagespflege am Holzmarkt wird
aus diesem Grund seit Januar 2011 einmal
in der Woche ein gezieltes Training unter
dem Motto "Muskeln machen munter" angeboten.
Ziel ist die Kräftigung der Muskulatur
und die Förderung von Gleichgewicht
und Koordination. Hierdurch kann
das Sturzrisiko deutlich gemindert oder
ein Sturz besser abgefangen werden.
Durchgeführt wird dieses spezielle Angebot
von Marika Bader, die als Ergotherapeutin
und erfahrene Krankenschwester
weiß, dass durch gezieltes Training
auch die Selbstständigkeit im Alter gefördert
werden kann: "Wer noch Kraft in Armen
und Beinen hat, ist weniger auf Hilfe
von Anderen angewiesen, genießt mehr
Selbstbestimmtheit."
Und dass Bewegung und Muskeltraining
auf behutsame Weise auch Spaß
machen können, erleben die SeniorInnen
im Alter von 65 bis 92 Jahren in jeder
Übungsstunde. Geübt wird u. a. mit Therabändern,
Holzreifen und Hanteln. Sich
körperlich zu spüren, die eigene Kraft
wahrzunehmen, tut auch der Seele gut.
"Heute ging es wieder tüchtig zur Sache!
Ich hab ordentlich geschwitzt! Aber es hat
viel Spaß gemacht!", sagt Marianne Viehmann,
65 Jahre, und strahlt.
Gunda Hoßbach
4. Kasseler Tagespflege-Tage
Die Tagespflege am Holzmarkt veranstaltet mit dem Arbeitskreis Tagespflege
Region Kassel die 4. Kasseler Tagespflege-Tage. Die Fachtagung findet statt am
Donnerstag, 16. Juni, von 9.00 Uhr bis
16.15 Uhr im Haus der Kirche in Kassel,
Wilhelmshöher Allee 330.
In diesem Jahr steht die Tagung unter dem Thema Kreativ Demenz begegnen -
neue Wege Ressourcen zu fördern.
Das Programm der Tagung beinhaltet
Vorträge zu den Themen:
- Kreative Leibtherapie
- Traumatisierung und Alter
- Frontotemporale Demenz
- Bewertungstraining statt
Gedächtnistraining
In den drei Workshops gibt es Informationen und Anregungen zu den Themen:
- Klangmassage bei Menschen
mit Demenz
- Deeskalation bei aggressivem
Verhalten Demenzkranker
- die fünf Tiefenbegegnungen
in der Altenhilfe
Mittlerweile gehört diese Veranstaltung
als fester Bestandteil zur professionellen
Bildung und zum fachlichen Austausch
rund um die Pflege und Betreuung Demenzkranker in der Region. Geschätzt wird
von den Teilnehmenden auch immer wieder der Dialog zwischen Fachkräften, ehrenamtlich Helfenden und Angehörigen.
Künstlerisch wird die Tagung durch
eine Ausstellung der bekannten Kasseler
Malerin Christine Reinckes ergänzt, die
in eindrucksvoller Weise alte Menschen
gemalt und gezeichnet hat.
Vollendung des Pflegeberufs
Ursel Ulrich zieht eine Bilanz ihres Arbeitslebens
1978 machte ich mein erstes Praktikum in einem Altenheim. Da wurde
mein Berufswunsch geweckt. Mich um
das Wohl alter Menschen zu kümmern,
ihnen den Lebensabend zu verschönern
und ihnen zu helfen den Alltag zu bewältigen, wurde für mich zur Aufgabe.
Nach meinem Examen zur Altenpflegerin arbeitete ich 30 Jahre in verschiedenen Heimen. Unter anderem sieben
Jahre im Nachtdienst und später wieder
im Schichtdienst. In all den Jahren hatte
ich stets Freude an meiner Arbeit.
Leider nahm mit den Jahren der Umfang der zu erstellenden Dokumentationen
stetig zu. Man verbrachte mehr und mehr
Zeit am Schreibtisch oder Computer. Der
Kontakt zu den BewohnerInnen wurde
weniger. Der Arbeitsbereich einer examinierten Altenpflegerin erhielt einen neuen
Schwerpunkt. Für mich war der Zeitpunkt
gekommen, nach der reichen Erfahrung
in der stationären Altenpflege, mich nach
einer neuen Herausforderung in der Arbeit
mit alten Menschen umzusehen.
Die Tagespflege interessierte mich dabei besonders, da mir die individuelle
Pflege und Betreuung von SeniorInnen
und die Gestaltung des Tages in einer Gemeinschaft besonders liegt. 2008 begann
ich in der Tagespflege am Holzmarkt als
Pflegefachkraft. Hier bin ich wieder jeden
Tag nah bei den BesucherInnen. Ich habe
Gelegenheit, die Tage interessant und
abwechslungsreich zu gestalten.
Das, was für mich in meinem Beruf
immer das Wichtigste war und leider
etwas verloren ging, hier aber wieder
im Vordergrund steht, ist die persönliche Begegnung mit den Menschen. Eine
meiner Aufgaben hier ist natürlich auch
die Gewährleistung einer guten sorgfältigen Pflege, aber in der Tagespflege geht
es um eine ganzheitliche Betreuung.
Den Menschen wieder eine Tagesstruktur zu geben, ist so wichtig. Viele leben
allein, haben kaum noch Kontakt. Sie
würden die Tage verschlafen oder der
Fernseher wäre der einzige Draht zur
Außenwelt. Das Angebot Tagespflege
hilft auch den Angehörigen, sie können z. B. wieder mal eigenen Aktivitäten
nachzugehen. Sie wissen ihre "Lieben" in
sicherer und guter Betreuung.
Bei der Tagesgestaltung für unsere BesucherInnen gibt es fast keine Einschränkungen. Meine Ideen, um die Menschen
sinnvoll zu beschäftigen, Fähigkeiten
zu erhalten und zu fördern, kann ich
hier mit Begeisterung umsetzen. Bei
kreativen Arbeiten kommen meine
Vorschläge gut an. Aber besonders mit
Musik kann ich auch die Menschen erreichen, die in Gedanken weit weg von
der Realität sind.
Beim Tanzen im Sitzen sind Thementänze besonders beliebt. Wir bewegen uns zu einer Geschichte. Erinnerungen an frühere Erlebnisse, wie z. B. die
Apfelernte im eigenen Garten oder eine
Ruderpartie auf der Fulda, steigen empor. Auch habe ich begonnen Gitarre zu
lernen, selbst zu den Liedern zu spielen,
so kann ich mich dem Tempo der BesucherInnen besser anpassen. Ich habe
noch so viele Ideen, die reichen noch für
lange Jahre...
In meinem Beruf betrachte ich meine
jetzige Tätigkeit als die Vollendung. Ich
kann mich hier sehr intensiv um die
Menschen kümmern, habe wieder Zeit
auch für Gespräche. Im Team fühle ich
mich sehr wohl, weil wir alle an einem
Strang ziehen und uns gegenseitig stützen, stärken und motivieren. Die Rückmeldungen - "Das war eine interessante
Stunde!"; "Das hat aber Spaß gemacht!";
"Ich komme morgen gerne wieder!" -
sind für mich das schönste Geschenk.
Das Vertrauen, das die BesucherInnen
und ihre Angehörigen uns entgegenbringen, bestärkt mich jeden Tag in meiner
Absicht, noch viele Jahre in diesem Beruf
zu arbeiten.
Ursel Ulrich (Altenpflegerin)
4. Kasseler Tagespflegetage 2011 am 16. Juni 2011
"Kreativ Demenz begegnen – Neue Wege Ressourcen zu fördern"
Programm
Fairness jedem Menschen
gegenüber
Interview mit Gunda Hoßbach (Leiterin der Tagespflege)
Warum haben Sie sich für den Beruf Sozialarbeiterin
entschieden?
Ich komme aus einer Familie, in der
man sich mit sozialen Dingen beschäftigt
hat, und bin mit alten Menschen groß geworden:
Meine Oma hat mit im Haus gewohnt
und meinen Uropa habe ich auch
noch kennen gelernt. Vor meinem Studium
habe ich ein freiwilliges soziales Jahr
in der Gemeindepflege absolviert, und das
hat dann bestätigt, dass die Arbeit mit alten
Menschen das Richtige für mich ist.
Wie haben Sie den Übergang von Ihrem
Studium in den Beruf erlebt?
Im Oktober 1989 habe ich im Renthof
eine geteilte Stelle bekommen: Im Altenund
Pflegeheim war ich als Sozialarbeiterin
angestellt und baute gleichzeitig die Tagespflege
auf, die ich seit Juli 1990 auch leite.
Damals begannen die Heime grade, Sozialpädagogen
einzustellen; für Beratung,
Begleitung oder tagesstrukturierende Angebote.
Ich hatte einen großen Gestaltungsfreiraum,
das war sehr spannend.
Aber für jemanden, der in ein System
kommt, in dem es nur Pflegemitarbeiter
gibt, war es manchmal schwierig, Fuß
zu fassen. In der Tagespflege war es einfacher,
weil ich dort selbst die Strukturen
geschaffen habe.
Bitte beschreiben Sie kurz Ihre Aufgaben
als Leiterin der Tagespflege.
Das ist sehr breit gefächert. Dazu gehören
unter anderem Mitarbeiterführung,
Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung, Beratung
von Besuchern und Angehörigen,
oder die Erarbeitung von neuen Konzepten
und das Angebot von Gruppenaktivitäten
für die Besucher.
Was mögen Sie an Ihrem Beruf?
Ich finde es spannend, jemanden vor
mir zu haben, der viel Lebenserfahrung
hat und davon erzählt, wie er mit Problemen
und Krisen im Leben umgegangen ist.
Viele unserer Besucher sind demenziell
erkrankt. Einerseits hat der Mensch mit
dieser Krankheit viele Verluste hinzunehmen,
andererseits zeigt die Demenz, worauf
es im Leben eigentlich ankommt:
Dass der Mensch festen Boden unter den
Füßen hat und sich angenommen und geborgen
fühlt. Wir vergessen manchmal,
dass es das ist, was wir alle brauchen, und
durch die Arbeit mit Demenzkranken werde
ich immer wieder daran erinnert.
Was ich nicht mag, ist, dass ich von
Außenstehenden oft höre: Du hast aber
eine schwere Arbeit, das wär nichts für
mich! Denn das heißt oft nur: Von Alter
oder Krankheit möchte ich nichts hören.
Gibt es ein Arbeitsethos, einen Grundsatz,
der Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig ist?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass
man dem Menschen nur so viel Hilfe geben
kann, wie er in der Lage ist anzunehmen.
Deshalb nehme ich jeden Menschen in seiner
Persönlichkeit, seiner Lebenssituation
wahr und hole ihn da ab, wo er steht.
Ganz wichtig ist mir Fairness jedem
Menschen gegenüber, auch gerade in
unserem Team: dass wir immer fair miteinander
umgehen, einander zuhören
und miteinander reden. Denn nur, wenn
ein offenes, respektvolles und förderndes
Miteinander gepflegt wird, fühlt man sich
wohl und macht die Arbeit mit Freude.
Und das kommt dann auch wieder bei
unseren Senioren an!
Die Interviews führte Nora Wetzel
Der Herkules und Kurfürst Wilhelm
zu Besuch am Holzmarkt
Bildbetrachtung
Den Bergpark Wilhelmshöhe kennt Annemarie
Krum noch gut. Früher war ich
im Damenwanderverein in Kassel, manchmal
waren wir 60 oder 70 Frauen, die zusammen
gewandert sind. Da sind wir auch
im Bergpark gelaufen; bei jeder Jahreszeit.
Heute besucht sie die Tagespflege am Holzmarkt.
Ausflüge in den Park oder ins Museum
kann sie nicht mehr machen, genauso
wie die anderen SeniorInnen hier. Einmal
im Monat aber kommt die Kasseler Museumslandschaft
zu ihnen, in Gestalt von
Petra
Werner und vielen Dias, auf denen
die Gemälde Tischbeins und Rembrandts,
aber auch aktuelle Ereignisse wie die Documenta
zu sehen sind. Immer haben die
Bildbetrachtungen ein anderes Thema;
heute geht es um den Bergpark.
Wichtig ist es, etwas Gegenständliches
zu zeigen, etwas, was die Leute wiedererkennen,
sagt Kunstvermittlerin Petra
Werner. Sie hat Kunstgeschichte studiert
und leitet die monatlich stattfindenden
Bildbetrachtungen seit vier Jahren. Die Besuche
im Haus am Holzmarkt findet sie immer
wieder spannend. Zu Beginn waren
die Leute eher still, jetzt kennen sie mich,
haben Vertrauen gefasst. Auch ich habe
mit der Zeit dazu gelernt: Ich darf nicht zu
lange Geschichten zu einem Bild erzählen,
muss flexibel sein und auf die Teilnehmer
eingehen.
Hinter den Bildbetrachtungen steckt
mehr als die Idee, ein Kulturprogramm
anzubieten. Die Veranstaltungen sind Teil
der Erinnerungspflege für Demenzkranke.
Was an Erinnerungen noch da ist, soll
hervorgeholt werden, erklärt Gunda
Hoßbach, Leiterin der Tagespflege. Und da das
Langzeitgedächtnis länger intakt bleibt,
sind das meist weiter zurückliegende Ereignisse.
Der Demenzkranke sieht im Alltag
nur, was er nicht mehr kann, erlebt Defizite.
Doch in dem, was früher war, ist er noch
kompetent. Wenn er daran erinnert wird,
hat er ein Erfolgserlebnis.
Während der Bildbetrachtungen kann
das Aktuelle mit der Vergangenheit verknüpft
werden. So erinnert sich Annemarie
Krum an ihre Ausflüge mit dem Damenwanderverein.
Aber auch Themen wie die
Sanierung der Parkanlagen werden diskutiert.
Sündhaft teuer ist das, sagt eine
Besucherin, und Petra Werner kann auch
erklären warum. Der Tuffstein, aus dem
vieles gebaut ist, verträgt keinen Frost und
muss immer wieder ersetzt werden. Denn
das Wasser zieht in den porösen Stein und
sprengt ihn von innen auf, wenn es friert.
So gibt es zu jedem Bauwerk im Bergpark
eine Geschichte, die von den Besuchern interessiert
aufgenommen wird.
Am wichtigsten aber sind die Bilder des
Bergparks und die Erinnerungen an eigene
Besuche, die durch den Anblick von Ballhaus,
Teufelsbrücke, Schloss und Herkules
geweckt werden.
Nora Wetzel
Bundesweit Vorreiter
Tagespflege am Holzmarkt wird 20!
Am Dienstag, dem 22. Juni 2010, feiert
die Tagespflege am Holzmarkt ihr 20-jähriges
Bestehen. Im Juni 1990 öffnete sie,
damals noch unter dem Namen Tagespflegestätte
Renthof, ihre Türen. Wir gehörten
regional und bundesweit zu den Vorreitern
mit diesem Angebot der Altenpflege! Die
Anfänge waren von viel Öffentlichkeitsarbeit
geprägt. Jeder kannte Heime und
Pflegedienste
- aber Tagespflege? Was ist
denn das?
Nach intensiver Aufklärungsarbeit und
gutem Zusammenarbeiten mit Pflegediensten,
Krankenhaussozialdiensten und
Beratungsstellen wurde die Tagespflege in kurzer Zeit zu einem Angebot, das
viele SeniorInnen dankbar annahmen.
Pflegende Angehörige erlebten erstmals
in dieser Form eine enorme Entlastung
durch das stundenweise Abgebenkönnen
des Partners/Elternteils in
eine qualifizierte Betreuung und Pflege
in anregender und gemütlicher Umgebung.
Mal kein schlechtes Gewissen haben
müssen, wenn man etwas für sich
tut. Mal nicht hetzen müssen, wenn ein
Weg, ein Einkauf zu erledigen ist. Durchatmen
können, um wieder Kraft für den
oft anstrengenden Alltag mit dem Pflegebedürftigen
zu tanken.
Die SeniorInnen, die meist an Demenz
oder Depression erkrankt sind, genießen
die beruhigende und zugleich anregende
Atmosphäre in der Tagespflege. Sie erleben
die Gemeinschaft und erfahren
durch die annehmende und fördernde
Haltung der MitarbeiterInnen Sicherheit
und Stärkung ihres Selbstwertgefühls.
Der Tag ist abwechslungsreich gestaltet
und für uns MitarbeiterInnen immer wieder
neu eine Herausforderung. Es macht
Freude, sich auf den Menschen einzulassen
und Ideen zu entwickeln, was wir auf
dem Hintergrund dessen, was die BesucherInnen
an Interessen und Fähigkeiten
mitbringen, an gemeinsamen Aktivitäten
anbieten können. Zum Beispiel gemeinsam
zu kochen nach Rezepten der BesucherInnen
oder zu den Lieblingsschlagern
zu tanzen. Die gute Betreuung in der Tagespflege
ersparte sehr vielen Besuchern
in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen
Umzug in ein Heim.
Immer wieder gibt es für uns MitarbeiterInnen
Neues zu entdecken und zu entwickeln.
So gab es Seniorenclowns, die regelmäßig zu uns kamen und uns zeigten,
"mit Humor geht alles leichter", Projekte
mit der Kindertagesstätte Georg-Wündisch-
Haus, in denen SeniorInnen und
Kinder gemeinsam sangen und malten,
Musiktherapie, Maltherapie und vieles
mehr. Zur Zeit holen wir z. B. die Museen
und den Bergpark Kassels mittels Dias
und Bildbetrachtungen in unser Haus,
bieten Wohlfühltage an, an denen unsere
BesucherInnen von einer Kosmetikerin
mit einer Gesichts-, Nacken- oder Handmassage
verwöhnt werden.
Auch die kontinuierliche fachliche
Weiterentwicklung war und ist unser Anspruch.
Supervision und Fortbildungen
im Bereich Pflege und Betreuung von gerontopsychiatrisch
Erkrankten gehören
u. a. zu unserer Weiterbildung.
Wir freuen uns über so viel Lebendiges
in unserer Arbeit und auf die nächsten
Jahre! Wir danken allen, die uns auf
unserem Weg begleitet und unterstützt
und uns ihr Vertrauen geschenkt haben!
Gunda Hoßbach (Leiterin der Tagespflege)
Streicheleinheiten für die Seele
Wohlfühltage in der Tagespflege am Holzmarkt
In den ersten Januartagen diesen Jahres
bot die Tagespflege am Holzmarkt
ihren BesucherInnen etwas ganz Besonderes
zum Verwöhnen an: drei Wohlfühltage.
Tage, an denen das Wohlbefinden,
die Pflege für Körper, Geist und Seele im
Vordergrund standen. Die Besucher wurden
verwöhnt, wie sie es schon seit langer
Zeit oder noch nie genießen konnten.
So erlebten wir den ersten Tag: Leise
entspannende Musik erklingt. Düfte aromatischer
Öle erfüllen den Raum. Beruhigendes,
gedämpftes Licht und Kerzenschein
erleichtern das Entspannen.
Irmgard Hase (88), die täglich die Tagespflege
besucht, lauscht mit geschlossenen
Augen der Musik und lässt sich ihre
Schultern von der behandelnden Kosmetikerin
leicht massieren. Hanna Brunke
(80) genießt die von ihr gewünschte Gesichtsmassage.
Andere erfreuen sich an
der Vielzahl gesunder Frucht- und Gemüsesäfte.
Eine Auswahl exotischer Früchte
wie Mango, Kaki und Passionsfrucht
wird in kleinen Schnittchen gereicht und
probiert. Manch eine Frucht ist nicht bekannt,
wird bestaunt und - als köstlich
befunden. Die BesucherInnen fühlen
sich sichtlich wohl. Wir schauen in gelöste,
entspannte Gesichter. Die ruhige Atmosphäre
zieht sich durch den gesamten
Tag, bis alle wieder in froher Stimmung
nach Hause fahren.
Bei fast allen BesucherInnen war am
Ende des Tages eine gute Stimmung zu
bemerken. Die meisten reagierten aufgeschlossen
und neugierig auf die angebotenen
Massagen. Lediglich ein paar eher
zurückgezogene Menschen waren zunächst
etwas zögerlich, sich berühren zu
lassen, ließen dann aber eine vorsichtige
Nacken- oder Handmassage zu und stellten
fest, dass das doch gut tat!
Besonders BesucherInnen, die sich aufgrund
einer Demenz oder eines Schlaganfalles
nicht mehr äußern können, merkte
man an, wie gut ihnen der Körperkontakt
und das Erfahren des eigenen Körpers,
das Sich-Spüren tat. Auch nur ein Eincremen
der Hände oder eine Maniküre
sind Streicheleinheiten für die Seele. Berührungen,
körperliche Nähe sind für
Demenzkranke besonders wichtig und
unterstützen die Kommunikation, helfen
innere Spannungen abzubauen und vermitteln
Geborgenheit und Sicherheit.
Nicht vergessen werden darf, dass es den
BesucherInnen, vor allem den Damen, gut
gefiel, etwas für ihr gepflegtes Äußeres getan
zu haben. Das merkte man auch an
den Gesprächen, die nebenbei über Schönheit,
Kosmetik und Mode geführt wurden.
Die Erfahrungen dieser Wohlfühltage
bestätigen uns, wie wichtig die Berücksichtigung
der Verknüpfung von Körper,
Geist und Seele in der Betreuung der
SeniorInnen in unserer Tagespflege ist.
Aktivitäten, die alle Sinne anregen, das
Erleben von Gemeinschaft und die Unterstützung
der Wahrnehmung des eigenen
Selbst fließen in unseren Tagesablauf
ein. Den Menschen annehmen und ihm
am Tag Begleitung sein, ihm mit Worten,
aber auch mit kleinen Berührungen im
wahrsten Sinne des Wortes eine Hand zu
reichen oder ihn an die Hand zu nehmen,
wenn er es braucht und wünscht, das verstehen
wir als unsere Aufgabe. Wohlfühltage
werden bestimmt einen festen Platz
in unserem Jahr miteinander bekommen.
Ursel Ulrich (Altenpflegerin)
Anlässlich des Jubiläums lädt die Tagespflege zu folgendem Vortrag ein:
Das Herz wird nicht dement
Der Mensch hat zwei Gedächtnisse, das des Denkens und
das des Herzens. Und wenn das Gedächtnis des Denkens
nachlässt, können wir am Gedächtnis des Herzens, der
Sinne, des Körpers anknüpfen, um Menschen mit Demenz
zu erreichen und auch das Gedächtnis des Denkens zu
reaktivieren.
Referent: Dr. Udo Baer
(Dr. phil., Dipl.-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut)
Dienstag, 22. Juni 2010, 18.00 Uhr,
Tagespflege am Holzmarkt
Flyer als PDF
Haus am Holzmarkt hat neue Außenbeschilderung
.... Wenn es in der Tagespflege mal zu heiß wird .....
Von Angesicht zu Angesicht
Beziehungswandel - Ein Projekt der Tagespflegen
Wandlungsprozesse in Bildern und
Worten: Während Klaus Wagner in den
Tagespflegeeinrichtungen Menschen mit
seiner Kamera portraitierte, haben unter
Anleitung von Kirsten Alers die Teilnehmerinnen
der Frauenschreibwerkstatt
Kaufungen sich jeweils zu zweit mit Tagespflegegästen und ihren Angehörigen
getroffen und Interviews geführt. Auch
daraus wurden Portraits.
Die Schreibwerkstatt hat sich im Frühjahr
2008 mit dem Thema Alter auseinandergesetzt,
Beziehungswandel war dabei
ein Aspekt. Es sind in drei Monaten neben
den Portraits auch autobiografische und
fiktive Texte entstanden. Zwei Mitglieder
der Literaturagentur sowie MitarbeiterInnen
der Tagespflegen Kassel Stadt und
Land haben sich ebenfalls dem Thema
Beziehungswandel schreibend genähert,
Interviews geführt und protokolliert.
Im Herbst und Winter 2008/09 wurden
Fotos und Texte in fünf Tagespflegen präsentiert,
jeweils zur Ausstellungseröffnung
fand eine Lesung statt, am 9. Januar am
Holzmarkt.
Interview mit den Familien
Brunsch und Seidl (Auszug)
Das Haus hat sich verändert, die Art
des Zusammenlebens auch, das Verhältnis
der Bewohner untereinander jedoch ist
gut geblieben. "Von Anfang an", sagt Monika Brunsch, "haben die Eltern meinem
Mann und mir Raum gelassen für eigene
Ideen und ein eigenes Leben." (...)
Jetzt ist Monika Brunsch selbst in Altersteilzeit
und kann sich mit ihrer Mutter
die Pflege des 92-Jährigen teilen. Einmal
die Woche badet sie ihn, und das nimmt
Josef Seidl dankbar an. Schwieriger wird
es, wenn Katharina Seidl länger als einen
Tag unterwegs ist, wie jüngst zu Besuch
beim Enkelsohn Carsten in Holland. Katharina
Seidl wollte so gern, "noch mal
das Häuschen sehen, in dem Carsten jetzt
wohnt." Da springt die Tochter gern ein
und verzichtet selbst auf die Reise, zumal
sie nach der Besichtigung einer Kurzpflegeeinrichtung
beschlossen hat, dass ihr
Vater da auf keinen Fall schon hingehört.
(...)
Oft steht Josef Seidl schon am Fenster
parat, wenn der Fahrdienst kommt und
freut sich auf "die kleine Stadtrundfahrt"
durch Kassel. Normalerweise kommt
er gutgelaunt aus der Tagespflege nach
Hause. Besonders wenn es einen Diavortrag
gegeben hat oder ein kleines Akkordeonkonzert.
Manchmal aber bedrücken
ihn die Ticks und Gesichter der anderen
alten Menschen, die seiner Meinung nach
so viel schlimmer dran sind als er. Dann
tut er sich eine Weile schwer, hat das Gefühl,
dorthin zu müssen, weil "die Frauen
das so wollen."
Text: Christa Müller
(Schreibwerkstatt Kaufungen)
Interview mit Irmgard Sturm
(Schwester von Elisabeth Simon)
Elisabeth, von uns früher Lisbeth genannt,
ist meine drei Jahre ältere Schwester.
Als Kinder haben wir uns manchmal
gestritten, sie war die ältere und bestimmend
in ihrer Art. Manchmal fühlte ich
mich benachteiligt. Zum Beispiel durfte
Lisbeth mit aufs Feld, wo die Mutter beim
Bauern arbeitete - da, so war mein Eindruck,
war was los, da war Unterhaltung!
Ich, die noch zu klein war, musste immer
zur Oma. Dort fühlte ich mich manchmal
allein.
Später haben wir dann unsere eigenen
Familien gegründet, und unsere Beziehung
war immer gut.
Elisabeth war immer darauf bedacht,
in ihrem Leben alles gut zu machen, sie
war akkurat und gewissenhaft. Heute ist
sie vollständig auf Hilfe angewiesen, und
andere, vor allem ihr Mann, sorgen dafür,
dass alles zu ihrem Besten getan wird. Ich
habe beobachtet, wie sie jetzt manchmal
an einem Handtuch rumknuddelt und
versucht, die Ecken akkurat aufeinander
zu bringen, das tut sie vielleicht, um Ordnung
zu machen. Im Alltäglichen, zum
Beispiel, wenn sie ein Glas zum Trinken
gereicht bekommt, fragt sie oft, ob sie
das jetzt so richtig macht, ob alles gut ist
- will sich immer rückversichern. In einer
bestimmten Weise ängstlich sind wir
beide und unsere Mutter schon immer gewesen,
Elisabeth ist durch ihre Krankheit
noch sehr viel ängstlicher geworden.
Manchmal bin ich traurig, dass man
mit ihr keinen Gedanken mehr austauschen
kann. Manchmal denke ich: Das
würde Lisbeth jetzt wissen! Doch sie kann
mir nicht mehr antworten. Sie ist da und
doch nicht da!
Protokoll: Gunda Hoßbach
(Leitung Tagespflege am Holzmarkt)
Die Ausstellung ist ausleihbar. Interessierte
wenden sich bitte an Gunda Hoßbach,
Telefon (05 61) 97 01 00-25
Vermitteln?
Bisher nicht nötig!
Neue Heimfürsprecherin
Als Gunda Hoßbach, die Leiterin der Tagespflege am
Holzmarkt, mich fragte, ob ich das Ehrenamt der Heimfürsprecherin
übernehmen wolle, war ich erst einmal
sehr überrascht. Zum einen war mir die Existenz einer
solchen Einrichtung gar nicht bewusst, zum anderen
wollte ich natürlich wissen, was an Aufwand auf mich
zukäme. Meine Bedenken konnten schnell ausgeräumt
werden, und so habe ich mich entschlossen, das Amt
anzunehmen.
Die Heimfürsprecherin ist Ansprechpartnerin für
die Tagespflegebesucher bzw. deren Angehörige, das
betreuende Personal und die Leitung der Einrichtung.
Sollte es zu Meinungsverschiedenheiten kommen, kann
die Fürsprecherin als neutrale Person eingeschaltet werden
und vermittelnd wirken. So kann ein gutes Miteinander
wieder hergestellt werden, das ja gerade für die
zu betreuenden Personen - aber auch für alle, die mit
ihnen zu tun haben - die Lebensgrundlage ist.
Warum ich dieses Amt angenommen
habe? Ich kenne die
Einrichtung am Holzmarkt seit
dem Sommer 2004. Wir brachten
meine Mutter - drei Jahre
lang - zwei mal in der Woche
zur Betreuung dorthin und haben
sie von Anfang an beruhigt
dagelassen mit dem Wissen, dass
sie aufs Beste ver- und umsorgt
war. Es gefällt meinem Mann,
unseren Kindern und mir, wie dort mit den Menschen
umgegangen wird, wie sie in ihrer Demenzerkrankung
individuell wahrgenommen, betreut und begleitet werden.
Durch Zuwendung, Achtung, Geduld, aber auch
liebevolle Lenkung wird der schwere Alltag für die Betroffenen
erleichtert und bereichert. Dazu kommt, dass
ich jetzt schon seit vier Jahren einmal im Monat in der
Tagespflege Andacht halte und so, auch nach dem Tod
meiner Mutter, sehr bewusst mit der Einrichtung in Verbindung
bin und bleiben möchte.
Ich habe mir vorgenommen, an den Angehörigen-
Treffen teilzunehmen, die etwa alle acht Wochen stattfinden, damit auch die familiären oder gesetzlichen Betreuer
wissen, dass es diese Stelle der Heimfürsprecherin
gibt und mich kennen lernen können. Ich freue mich
über dieses Amt und hoffe, dass mein "Einschreiten"
nicht nötig sein wird!
Brigitta Pühra
Sie erinnern sich?

Wir haben das Foto jetzt in digitaler Form vom Stadtarchiv bekommen.
Der Holzmarkt um 1870
Der Name untertreibt: Der Holzmarkt diente nicht allein dem Handel mit Hölzern, sondern war vielmehr Handwerkerquartier und Kirchhof, Zentrum und Marktplatz der alten Unterneustadt.
Die Aufnahme zeigt die Ecke Holzmarkt 22/Leipziger Str. 1 mit Blick in die Leipziger Str. um das Jahr 1870.