Aktuelles

Weitere aktuelle Informationen zu den Einrichtungen finden Sie auch unter Presse.

 


Muskeln machen munter!

Muskeltraining zur Sturzprophylaxe in der Tagespflege

Wer rastet, der rostet! Ein Sprichwort, dessen Wahrheitsgehalt sich auch im Alter bemerkbar macht.

Wer sich und seinen Körper im Alter nicht fordert, wer sich aufgrund von Erkrankungen wie Arthrose und Rheuma wenig bewegt, der verliert zunehmend an Muskulatur und Beweglichkeit. Die Statik des Körpers verändert sich, man geht gekrümmt, nimmt Schonhaltungen ein, Gelenke versteifen sich. Nicht nur Schmerzen sind dann oft die Folge, es erhöht sich auch das Risiko zu stürzen. Mehr als 100.000 Menschen ziehen sich pro Jahr durch Sturz eine Hüftfraktur zu. Ein Großteil davon ist älter als 65 Jahre.

In der Tagespflege am Holzmarkt wird aus diesem Grund seit Januar 2011 einmal in der Woche ein gezieltes Training unter dem Motto "Muskeln machen munter" angeboten. Ziel ist die Kräftigung der Muskulatur und die Förderung von Gleichgewicht und Koordination. Hierdurch kann das Sturzrisiko deutlich gemindert oder ein Sturz besser abgefangen werden.

Durchgeführt wird dieses spezielle Angebot von Marika Bader, die als Ergotherapeutin und erfahrene Krankenschwester weiß, dass durch gezieltes Training auch die Selbstständigkeit im Alter gefördert werden kann: "Wer noch Kraft in Armen und Beinen hat, ist weniger auf Hilfe von Anderen angewiesen, genießt mehr Selbstbestimmtheit."

Und dass Bewegung und Muskeltraining auf behutsame Weise auch Spaß machen können, erleben die SeniorInnen im Alter von 65 bis 92 Jahren in jeder Übungsstunde. Geübt wird u. a. mit Therabändern, Holzreifen und Hanteln. Sich körperlich zu spüren, die eigene Kraft wahrzunehmen, tut auch der Seele gut. "Heute ging es wieder tüchtig zur Sache! Ich hab ordentlich geschwitzt! Aber es hat viel Spaß gemacht!", sagt Marianne Viehmann, 65 Jahre, und strahlt.

Gunda Hoßbach

 


 


4. Kasseler Tagespflege-Tage

Die Tagespflege am Holzmarkt veranstaltet mit dem Arbeitskreis Tagespflege Region Kassel die 4. Kasseler Tagespflege-Tage. Die Fachtagung findet statt am Donnerstag, 16. Juni, von 9.00 Uhr bis 16.15 Uhr im Haus der Kirche in Kassel, Wilhelmshöher Allee 330.

In diesem Jahr steht die Tagung unter dem Thema Kreativ Demenz begegnen - neue Wege Ressourcen zu fördern.

Das Programm der Tagung beinhaltet Vorträge zu den Themen:

  • Kreative Leibtherapie
  • Traumatisierung und Alter
  • Frontotemporale Demenz
  • Bewertungstraining statt Gedächtnistraining

In den drei Workshops gibt es Informationen und Anregungen zu den Themen:

  • Klangmassage bei Menschen mit Demenz
  • Deeskalation bei aggressivem Verhalten Demenzkranker
  • die fünf Tiefenbegegnungen in der Altenhilfe

Mittlerweile gehört diese Veranstaltung als fester Bestandteil zur professionellen Bildung und zum fachlichen Austausch rund um die Pflege und Betreuung Demenzkranker in der Region. Geschätzt wird von den Teilnehmenden auch immer wieder der Dialog zwischen Fachkräften, ehrenamtlich Helfenden und Angehörigen.

Künstlerisch wird die Tagung durch eine Ausstellung der bekannten Kasseler Malerin Christine Reinckes ergänzt, die in eindrucksvoller Weise alte Menschen gemalt und gezeichnet hat.

 


Vollendung des Pflegeberufs

Ursel Ulrich zieht eine Bilanz ihres Arbeitslebens

1978 machte ich mein erstes Praktikum in einem Altenheim. Da wurde mein Berufswunsch geweckt. Mich um das Wohl alter Menschen zu kümmern, ihnen den Lebensabend zu verschönern und ihnen zu helfen den Alltag zu bewältigen, wurde für mich zur Aufgabe. Nach meinem Examen zur Altenpflegerin arbeitete ich 30 Jahre in verschiedenen Heimen. Unter anderem sieben Jahre im Nachtdienst und später wieder im Schichtdienst. In all den Jahren hatte ich stets Freude an meiner Arbeit.

Leider nahm mit den Jahren der Umfang der zu erstellenden Dokumentationen stetig zu. Man verbrachte mehr und mehr Zeit am Schreibtisch oder Computer. Der Kontakt zu den BewohnerInnen wurde weniger. Der Arbeitsbereich einer examinierten Altenpflegerin erhielt einen neuen Schwerpunkt. Für mich war der Zeitpunkt gekommen, nach der reichen Erfahrung in der stationären Altenpflege, mich nach einer neuen Herausforderung in der Arbeit mit alten Menschen umzusehen.

Die Tagespflege interessierte mich dabei besonders, da mir die individuelle Pflege und Betreuung von SeniorInnen und die Gestaltung des Tages in einer Gemeinschaft besonders liegt. 2008 begann ich in der Tagespflege am Holzmarkt als Pflegefachkraft. Hier bin ich wieder jeden Tag nah bei den BesucherInnen. Ich habe Gelegenheit, die Tage interessant und abwechslungsreich zu gestalten.

Das, was für mich in meinem Beruf immer das Wichtigste war und leider etwas verloren ging, hier aber wieder im Vordergrund steht, ist die persönliche Begegnung mit den Menschen. Eine meiner Aufgaben hier ist natürlich auch die Gewährleistung einer guten sorgfältigen Pflege, aber in der Tagespflege geht es um eine ganzheitliche Betreuung. Den Menschen wieder eine Tagesstruktur zu geben, ist so wichtig. Viele leben allein, haben kaum noch Kontakt. Sie würden die Tage verschlafen oder der Fernseher wäre der einzige Draht zur Außenwelt. Das Angebot Tagespflege hilft auch den Angehörigen, sie können z. B. wieder mal eigenen Aktivitäten nachzugehen. Sie wissen ihre "Lieben" in sicherer und guter Betreuung.

Bei der Tagesgestaltung für unsere BesucherInnen gibt es fast keine Einschränkungen. Meine Ideen, um die Menschen sinnvoll zu beschäftigen, Fähigkeiten zu erhalten und zu fördern, kann ich hier mit Begeisterung umsetzen. Bei kreativen Arbeiten kommen meine Vorschläge gut an. Aber besonders mit Musik kann ich auch die Menschen erreichen, die in Gedanken weit weg von der Realität sind.

Beim Tanzen im Sitzen sind Thementänze besonders beliebt. Wir bewegen uns zu einer Geschichte. Erinnerungen an frühere Erlebnisse, wie z. B. die Apfelernte im eigenen Garten oder eine Ruderpartie auf der Fulda, steigen empor. Auch habe ich begonnen Gitarre zu lernen, selbst zu den Liedern zu spielen, so kann ich mich dem Tempo der BesucherInnen besser anpassen. Ich habe noch so viele Ideen, die reichen noch für lange Jahre...

In meinem Beruf betrachte ich meine jetzige Tätigkeit als die Vollendung. Ich kann mich hier sehr intensiv um die Menschen kümmern, habe wieder Zeit auch für Gespräche. Im Team fühle ich mich sehr wohl, weil wir alle an einem Strang ziehen und uns gegenseitig stützen, stärken und motivieren. Die Rückmeldungen - "Das war eine interessante Stunde!"; "Das hat aber Spaß gemacht!"; "Ich komme morgen gerne wieder!" - sind für mich das schönste Geschenk. Das Vertrauen, das die BesucherInnen und ihre Angehörigen uns entgegenbringen, bestärkt mich jeden Tag in meiner Absicht, noch viele Jahre in diesem Beruf zu arbeiten.

Ursel Ulrich (Altenpflegerin)

 


4. Kasseler Tagespflegetage 2011 am 16. Juni 2011

"Kreativ Demenz begegnen – Neue Wege Ressourcen zu fördern"

Programm

Fairness jedem Menschen gegenüber
Interview mit Gunda Hoßbach (Leiterin der Tagespflege)

Warum haben Sie sich für den Beruf Sozialarbeiterin entschieden?

Ich komme aus einer Familie, in der man sich mit sozialen Dingen beschäftigt hat, und bin mit alten Menschen groß geworden: Meine Oma hat mit im Haus gewohnt und meinen Uropa habe ich auch noch kennen gelernt. Vor meinem Studium habe ich ein freiwilliges soziales Jahr in der Gemeindepflege absolviert, und das hat dann bestätigt, dass die Arbeit mit alten Menschen das Richtige für mich ist.

Wie haben Sie den Übergang von Ihrem Studium in den Beruf erlebt?

Im Oktober 1989 habe ich im Renthof eine geteilte Stelle bekommen: Im Altenund Pflegeheim war ich als Sozialarbeiterin angestellt und baute gleichzeitig die Tagespflege auf, die ich seit Juli 1990 auch leite.

Damals begannen die Heime grade, Sozialpädagogen einzustellen; für Beratung, Begleitung oder tagesstrukturierende Angebote. Ich hatte einen großen Gestaltungsfreiraum, das war sehr spannend. Aber für jemanden, der in ein System kommt, in dem es nur Pflegemitarbeiter gibt, war es manchmal schwierig, Fuß zu fassen. In der Tagespflege war es einfacher, weil ich dort selbst die Strukturen geschaffen habe.

Bitte beschreiben Sie kurz Ihre Aufgaben als Leiterin der Tagespflege.

Das ist sehr breit gefächert. Dazu gehören unter anderem Mitarbeiterführung, Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung, Beratung von Besuchern und Angehörigen, oder die Erarbeitung von neuen Konzepten und das Angebot von Gruppenaktivitäten für die Besucher.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Ich finde es spannend, jemanden vor mir zu haben, der viel Lebenserfahrung hat und davon erzählt, wie er mit Problemen und Krisen im Leben umgegangen ist.

Viele unserer Besucher sind demenziell erkrankt. Einerseits hat der Mensch mit dieser Krankheit viele Verluste hinzunehmen, andererseits zeigt die Demenz, worauf es im Leben eigentlich ankommt: Dass der Mensch festen Boden unter den Füßen hat und sich angenommen und geborgen fühlt. Wir vergessen manchmal, dass es das ist, was wir alle brauchen, und durch die Arbeit mit Demenzkranken werde ich immer wieder daran erinnert.

Was ich nicht mag, ist, dass ich von Außenstehenden oft höre: „Du hast aber eine schwere Arbeit, das wär nichts für mich!“ Denn das heißt oft nur: „Von Alter oder Krankheit möchte ich nichts hören.“

Gibt es ein Arbeitsethos, einen Grundsatz, der Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig ist?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man dem Menschen nur so viel Hilfe geben kann, wie er in der Lage ist anzunehmen. Deshalb nehme ich jeden Menschen in seiner Persönlichkeit, seiner Lebenssituation wahr und „hole ihn da ab, wo er steht“.

Ganz wichtig ist mir Fairness jedem Menschen gegenüber, auch gerade in unserem Team: dass wir immer fair miteinander umgehen, einander zuhören und miteinander reden. Denn nur, wenn ein offenes, respektvolles und förderndes Miteinander gepflegt wird, fühlt man sich wohl und macht die Arbeit mit Freude. Und das kommt dann auch wieder bei unseren Senioren an!

Die Interviews führte Nora Wetzel


Der Herkules und Kurfürst Wilhelm zu Besuch am Holzmarkt
Bildbetrachtung

Den Bergpark Wilhelmshöhe kennt Annemarie Krum noch gut. „Früher war ich im Damenwanderverein in Kassel, manchmal waren wir 60 oder 70 Frauen, die zusammen gewandert sind. Da sind wir auch im Bergpark gelaufen; bei jeder Jahreszeit.“ Heute besucht sie die Tagespflege am Holzmarkt. Ausflüge in den Park oder ins Museum kann sie nicht mehr machen, genauso wie die anderen SeniorInnen hier. Einmal im Monat aber kommt die Kasseler Museumslandschaft zu ihnen, in Gestalt von Petra Werner und vielen Dias, auf denen die Gemälde Tischbeins und Rembrandts, aber auch aktuelle Ereignisse wie die Documenta zu sehen sind. Immer haben die Bildbetrachtungen ein anderes Thema; heute geht es um den Bergpark.

„Wichtig ist es, etwas Gegenständliches zu zeigen, etwas, was die Leute wiedererkennen“, sagt Kunstvermittlerin Petra Werner. Sie hat Kunstgeschichte studiert und leitet die monatlich stattfindenden Bildbetrachtungen seit vier Jahren. Die Besuche im Haus am Holzmarkt findet sie immer wieder spannend. „Zu Beginn waren die Leute eher still, jetzt kennen sie mich, haben Vertrauen gefasst. Auch ich habe mit der Zeit dazu gelernt: Ich darf nicht zu lange Geschichten zu einem Bild erzählen, muss flexibel sein und auf die Teilnehmer eingehen.“

Hinter den Bildbetrachtungen steckt mehr als die Idee, ein Kulturprogramm anzubieten. Die Veranstaltungen sind Teil der Erinnerungspflege für Demenzkranke. „Was an Erinnerungen noch da ist, soll hervorgeholt werden“, erklärt Gunda Hoßbach, Leiterin der Tagespflege. Und da das Langzeitgedächtnis länger intakt bleibt, sind das meist weiter zurückliegende Ereignisse. „Der Demenzkranke sieht im Alltag nur, was er nicht mehr kann, erlebt Defizite. Doch in dem, was früher war, ist er noch kompetent. Wenn er daran erinnert wird, hat er ein Erfolgserlebnis.“

Während der Bildbetrachtungen kann das Aktuelle mit der Vergangenheit verknüpft werden. So erinnert sich Annemarie Krum an ihre Ausflüge mit dem Damenwanderverein. Aber auch Themen wie die Sanierung der Parkanlagen werden diskutiert. „Sündhaft teuer ist das“, sagt eine Besucherin, und Petra Werner kann auch erklären warum. Der Tuffstein, aus dem vieles gebaut ist, verträgt keinen Frost und muss immer wieder ersetzt werden. Denn das Wasser zieht in den porösen Stein und sprengt ihn von innen auf, wenn es friert. So gibt es zu jedem Bauwerk im Bergpark eine Geschichte, die von den Besuchern interessiert aufgenommen wird.

Am wichtigsten aber sind die Bilder des Bergparks und die Erinnerungen an eigene Besuche, die durch den Anblick von Ballhaus, Teufelsbrücke, Schloss und Herkules geweckt werden.

Nora Wetzel


Bundesweit Vorreiter
Tagespflege am Holzmarkt wird 20!

Am Dienstag, dem 22. Juni 2010, feiert die Tagespflege am Holzmarkt ihr 20-jähriges Bestehen. Im Juni 1990 öffnete sie, damals noch unter dem Namen Tagespflegestätte Renthof, ihre Türen. Wir gehörten regional und bundesweit zu den Vorreitern mit diesem Angebot der Altenpflege! Die Anfänge waren von viel Öffentlichkeitsarbeit geprägt. Jeder kannte Heime und Pflegedienste - aber Tagespflege? Was ist denn das?

Nach intensiver Aufklärungsarbeit und gutem Zusammenarbeiten mit Pflegediensten, Krankenhaussozialdiensten und Beratungsstellen wurde die Tagespflege in kurzer Zeit zu einem Angebot, das viele SeniorInnen dankbar annahmen.

Pflegende Angehörige erlebten erstmals in dieser Form eine enorme Entlastung durch das stundenweise Abgebenkönnen des Partners/Elternteils in eine qualifizierte Betreuung und Pflege in anregender und gemütlicher Umgebung. Mal kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn man etwas für sich tut. Mal nicht hetzen müssen, wenn ein Weg, ein Einkauf zu erledigen ist. Durchatmen können, um wieder Kraft für den oft anstrengenden Alltag mit dem Pflegebedürftigen zu tanken.

Die SeniorInnen, die meist an Demenz oder Depression erkrankt sind, genießen die beruhigende und zugleich anregende Atmosphäre in der Tagespflege. Sie erleben die Gemeinschaft und erfahren durch die annehmende und fördernde Haltung der MitarbeiterInnen Sicherheit und Stärkung ihres Selbstwertgefühls.

Der Tag ist abwechslungsreich gestaltet und für uns MitarbeiterInnen immer wieder neu eine Herausforderung. Es macht Freude, sich auf den Menschen einzulassen und Ideen zu entwickeln, was wir auf dem Hintergrund dessen, was die BesucherInnen an Interessen und Fähigkeiten mitbringen, an gemeinsamen Aktivitäten anbieten können. Zum Beispiel gemeinsam zu kochen nach Rezepten der BesucherInnen oder zu den Lieblingsschlagern zu tanzen. Die gute Betreuung in der Tagespflege ersparte sehr vielen Besuchern in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen Umzug in ein Heim.

Immer wieder gibt es für uns MitarbeiterInnen Neues zu entdecken und zu entwickeln. So gab es Seniorenclowns, die regelmäßig zu uns kamen und uns zeigten, "mit Humor geht alles leichter", Projekte mit der Kindertagesstätte Georg-Wündisch- Haus, in denen SeniorInnen und Kinder gemeinsam sangen und malten, Musiktherapie, Maltherapie und vieles mehr. Zur Zeit holen wir z. B. die Museen und den Bergpark Kassels mittels Dias und Bildbetrachtungen in unser Haus, bieten Wohlfühltage an, an denen unsere BesucherInnen von einer Kosmetikerin mit einer Gesichts-, Nacken- oder Handmassage verwöhnt werden.

Auch die kontinuierliche fachliche Weiterentwicklung war und ist unser Anspruch. Supervision und Fortbildungen im Bereich Pflege und Betreuung von gerontopsychiatrisch Erkrankten gehören u. a. zu unserer Weiterbildung.

Wir freuen uns über so viel Lebendiges in unserer Arbeit und auf die nächsten Jahre! Wir danken allen, die uns auf unserem Weg begleitet und unterstützt und uns ihr Vertrauen geschenkt haben!

Gunda Hoßbach (Leiterin der Tagespflege)

 


Streicheleinheiten für die Seele
Wohlfühltage in der Tagespflege am Holzmarkt

In den ersten Januartagen diesen Jahres bot die Tagespflege am Holzmarkt ihren BesucherInnen etwas ganz Besonderes zum Verwöhnen an: drei Wohlfühltage. Tage, an denen das Wohlbefinden, die Pflege für Körper, Geist und Seele im Vordergrund standen. Die Besucher wurden verwöhnt, wie sie es schon seit langer Zeit oder noch nie genießen konnten.

So erlebten wir den ersten Tag: Leise entspannende Musik erklingt. Düfte aromatischer Öle erfüllen den Raum. Beruhigendes, gedämpftes Licht und Kerzenschein erleichtern das Entspannen. Irmgard Hase (88), die täglich die Tagespflege besucht, lauscht mit geschlossenen Augen der Musik und lässt sich ihre Schultern von der behandelnden Kosmetikerin leicht massieren. Hanna Brunke (80) genießt die von ihr gewünschte Gesichtsmassage. Andere erfreuen sich an der Vielzahl gesunder Frucht- und Gemüsesäfte. Eine Auswahl exotischer Früchte wie Mango, Kaki und Passionsfrucht wird in kleinen Schnittchen gereicht und probiert. Manch eine Frucht ist nicht bekannt, wird bestaunt und - als köstlich befunden. Die BesucherInnen fühlen sich sichtlich wohl. Wir schauen in gelöste, entspannte Gesichter. Die ruhige Atmosphäre zieht sich durch den gesamten Tag, bis alle wieder in froher Stimmung nach Hause fahren.

Bei fast allen BesucherInnen war am Ende des Tages eine gute Stimmung zu bemerken. Die meisten reagierten aufgeschlossen und neugierig auf die angebotenen Massagen. Lediglich ein paar eher zurückgezogene Menschen waren zunächst etwas zögerlich, sich berühren zu lassen, ließen dann aber eine vorsichtige Nacken- oder Handmassage zu und stellten fest, dass das doch gut tat!

Besonders BesucherInnen, die sich aufgrund einer Demenz oder eines Schlaganfalles nicht mehr äußern können, merkte man an, wie gut ihnen der Körperkontakt und das Erfahren des eigenen Körpers, das Sich-Spüren tat. Auch nur ein Eincremen der Hände oder eine Maniküre sind Streicheleinheiten für die Seele. Berührungen, körperliche Nähe sind für Demenzkranke besonders wichtig und unterstützen die Kommunikation, helfen innere Spannungen abzubauen und vermitteln Geborgenheit und Sicherheit.

Nicht vergessen werden darf, dass es den BesucherInnen, vor allem den Damen, gut gefiel, etwas für ihr gepflegtes Äußeres getan zu haben. Das merkte man auch an den Gesprächen, die nebenbei über Schönheit, Kosmetik und Mode geführt wurden.

Die Erfahrungen dieser Wohlfühltage bestätigen uns, wie wichtig die Berücksichtigung der Verknüpfung von Körper, Geist und Seele in der Betreuung der SeniorInnen in unserer Tagespflege ist. Aktivitäten, die alle Sinne anregen, das Erleben von Gemeinschaft und die Unterstützung der Wahrnehmung des eigenen Selbst fließen in unseren Tagesablauf ein. Den Menschen annehmen und ihm am Tag Begleitung sein, ihm mit Worten, aber auch mit kleinen Berührungen im wahrsten Sinne des Wortes eine Hand zu reichen oder ihn an die Hand zu nehmen, wenn er es braucht und wünscht, das verstehen wir als unsere Aufgabe. Wohlfühltage werden bestimmt einen festen Platz in unserem Jahr miteinander bekommen.

Ursel Ulrich (Altenpflegerin)

 


Anlässlich des Jubiläums lädt die Tagespflege zu folgendem Vortrag ein:

Das Herz wird nicht dement

Der Mensch hat zwei Gedächtnisse, das des Denkens und das des Herzens. Und wenn das Gedächtnis des Denkens nachlässt, können wir am Gedächtnis des Herzens, der Sinne, des Körpers anknüpfen, um Menschen mit Demenz zu erreichen und auch das Gedächtnis des Denkens zu reaktivieren.

Referent: Dr. Udo Baer
(Dr. phil., Dipl.-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut)

Dienstag, 22. Juni 2010, 18.00 Uhr,
Tagespflege am Holzmarkt

Flyer als PDF

 


Haus am Holzmarkt hat neue Außenbeschilderung



 


.... Wenn es in der Tagespflege mal zu heiß wird .....

 


Von Angesicht zu Angesicht
Beziehungswandel - Ein Projekt der Tagespflegen

Wandlungsprozesse in Bildern und Worten: Während Klaus Wagner in den Tagespflegeeinrichtungen Menschen mit seiner Kamera portraitierte, haben unter Anleitung von Kirsten Alers die Teilnehmerinnen der Frauenschreibwerkstatt Kaufungen sich jeweils zu zweit mit Tagespflegegästen und ihren Angehörigen getroffen und Interviews geführt. Auch daraus wurden Portraits.

Die Schreibwerkstatt hat sich im Frühjahr 2008 mit dem Thema Alter auseinandergesetzt, Beziehungswandel war dabei ein Aspekt. Es sind in drei Monaten neben den Portraits auch autobiografische und fiktive Texte entstanden. Zwei Mitglieder der Literaturagentur sowie MitarbeiterInnen der Tagespflegen Kassel Stadt und Land haben sich ebenfalls dem Thema Beziehungswandel schreibend genähert, Interviews geführt und protokolliert.

Im Herbst und Winter 2008/09 wurden Fotos und Texte in fünf Tagespflegen präsentiert, jeweils zur Ausstellungseröffnung fand eine Lesung statt, am 9. Januar am Holzmarkt.

Interview mit den Familien Brunsch und Seidl (Auszug)
Das Haus hat sich verändert, die Art des Zusammenlebens auch, das Verhältnis der Bewohner untereinander jedoch ist gut geblieben. "Von Anfang an", sagt Monika Brunsch, "haben die Eltern meinem Mann und mir Raum gelassen für eigene Ideen und ein eigenes Leben." (...)

Jetzt ist Monika Brunsch selbst in Altersteilzeit und kann sich mit ihrer Mutter die Pflege des 92-Jährigen teilen. Einmal die Woche badet sie ihn, und das nimmt Josef Seidl dankbar an. Schwieriger wird es, wenn Katharina Seidl länger als einen Tag unterwegs ist, wie jüngst zu Besuch beim Enkelsohn Carsten in Holland. Katharina Seidl wollte so gern, "noch mal das Häuschen sehen, in dem Carsten jetzt wohnt." Da springt die Tochter gern ein und verzichtet selbst auf die Reise, zumal sie nach der Besichtigung einer Kurzpflegeeinrichtung beschlossen hat, dass ihr Vater da auf keinen Fall schon hingehört. (...)

Oft steht Josef Seidl schon am Fenster parat, wenn der Fahrdienst kommt und freut sich auf "die kleine Stadtrundfahrt" durch Kassel. Normalerweise kommt er gutgelaunt aus der Tagespflege nach Hause. Besonders wenn es einen Diavortrag gegeben hat oder ein kleines Akkordeonkonzert. Manchmal aber bedrücken ihn die Ticks und Gesichter der anderen alten Menschen, die seiner Meinung nach so viel schlimmer dran sind als er. Dann tut er sich eine Weile schwer, hat das Gefühl, dorthin zu müssen, weil "die Frauen das so wollen."

Text: Christa Müller
(Schreibwerkstatt Kaufungen)

Interview mit Irmgard Sturm (Schwester von Elisabeth Simon)
Elisabeth, von uns früher Lisbeth genannt, ist meine drei Jahre ältere Schwester. Als Kinder haben wir uns manchmal gestritten, sie war die ältere und bestimmend in ihrer Art. Manchmal fühlte ich mich benachteiligt. Zum Beispiel durfte Lisbeth mit aufs Feld, wo die Mutter beim Bauern arbeitete - da, so war mein Eindruck, war was los, da war Unterhaltung! Ich, die noch zu klein war, musste immer zur Oma. Dort fühlte ich mich manchmal allein.

Später haben wir dann unsere eigenen Familien gegründet, und unsere Beziehung war immer gut.

Elisabeth war immer darauf bedacht, in ihrem Leben alles gut zu machen, sie war akkurat und gewissenhaft. Heute ist sie vollständig auf Hilfe angewiesen, und andere, vor allem ihr Mann, sorgen dafür, dass alles zu ihrem Besten getan wird. Ich habe beobachtet, wie sie jetzt manchmal an einem Handtuch rumknuddelt und versucht, die Ecken akkurat aufeinander zu bringen, das tut sie vielleicht, um Ordnung zu machen. Im Alltäglichen, zum Beispiel, wenn sie ein Glas zum Trinken gereicht bekommt, fragt sie oft, ob sie das jetzt so richtig macht, ob alles gut ist - will sich immer rückversichern. In einer bestimmten Weise ängstlich sind wir beide und unsere Mutter schon immer gewesen, Elisabeth ist durch ihre Krankheit noch sehr viel ängstlicher geworden.

Manchmal bin ich traurig, dass man mit ihr keinen Gedanken mehr austauschen kann. Manchmal denke ich: Das würde Lisbeth jetzt wissen! Doch sie kann mir nicht mehr antworten. Sie ist da und doch nicht da!

Protokoll: Gunda Hoßbach
(Leitung Tagespflege am Holzmarkt)

Die Ausstellung ist ausleihbar. Interessierte wenden sich bitte an Gunda Hoßbach, Telefon (05 61) 97 01 00-25

 


Vermitteln?
Bisher nicht nötig!
Neue Heimfürsprecherin

Als Gunda Hoßbach, die Leiterin der Tagespflege am Holzmarkt, mich fragte, ob ich das Ehrenamt der Heimfürsprecherin übernehmen wolle, war ich erst einmal sehr überrascht. Zum einen war mir die Existenz einer solchen Einrichtung gar nicht bewusst, zum anderen wollte ich natürlich wissen, was an Aufwand auf mich zukäme. Meine Bedenken konnten schnell ausgeräumt werden, und so habe ich mich entschlossen, das Amt anzunehmen.

Die Heimfürsprecherin ist Ansprechpartnerin für die Tagespflegebesucher bzw. deren Angehörige, das betreuende Personal und die Leitung der Einrichtung. Sollte es zu Meinungsverschiedenheiten kommen, kann die Fürsprecherin als neutrale Person eingeschaltet werden und vermittelnd wirken. So kann ein gutes Miteinander wieder hergestellt werden, das ja gerade für die zu betreuenden Personen - aber auch für alle, die mit ihnen zu tun haben - die Lebensgrundlage ist.

Warum ich dieses Amt angenommen habe? Ich kenne die Einrichtung am Holzmarkt seit dem Sommer 2004. Wir brachten meine Mutter - drei Jahre lang - zwei mal in der Woche zur Betreuung dorthin und haben sie von Anfang an beruhigt dagelassen mit dem Wissen, dass sie aufs Beste ver- und umsorgt war. Es gefällt meinem Mann, unseren Kindern und mir, wie dort mit den Menschen umgegangen wird, wie sie in ihrer Demenzerkrankung individuell wahrgenommen, betreut und begleitet werden. Durch Zuwendung, Achtung, Geduld, aber auch liebevolle Lenkung wird der schwere Alltag für die Betroffenen erleichtert und bereichert. Dazu kommt, dass ich jetzt schon seit vier Jahren einmal im Monat in der Tagespflege Andacht halte und so, auch nach dem Tod meiner Mutter, sehr bewusst mit der Einrichtung in Verbindung bin und bleiben möchte.

Ich habe mir vorgenommen, an den Angehörigen- Treffen teilzunehmen, die etwa alle acht Wochen stattfinden, damit auch die familiären oder gesetzlichen Betreuer wissen, dass es diese Stelle der Heimfürsprecherin gibt und mich kennen lernen können. Ich freue mich über dieses Amt und hoffe, dass mein "Einschreiten" nicht nötig sein wird!

Brigitta Pühra

 


Sie erinnern sich?

Wir haben das Foto jetzt in digitaler Form vom Stadtarchiv bekommen.

Der Holzmarkt um 1870

Der Name untertreibt: Der Holzmarkt diente nicht allein dem Handel mit Hölzern, sondern war vielmehr Handwerkerquartier und Kirchhof, Zentrum und Marktplatz der alten Unterneustadt.
Die Aufnahme zeigt die Ecke Holzmarkt 22/Leipziger Str. 1 mit Blick in die Leipziger Str. um das Jahr 1870.